Der Blick über den Tellerrand

Eine junge asiatische Frau schüttet eine Flüssigkeit in Reagenzgläser © Colourbox

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Ländern sind für deutsche Unternehmen eine Bereicherung. Das zeigt auch eine 2014 veröffentlichte Studie zum Werdegang internationaler Fachkräfte und deren Mehrwert für KMU, die im Auftrag des BMWi erstellt wurde. Neben fachlichem Input bringen sie neue Impulse ins Unternehmen und tragen zu einer vielfältigen Unternehmenskultur bei. Gleichzeitig ermöglichen sie durch ihre Sprachkenntnisse und Netzwerke einen leichteren Zugang zu internationalen Märkten. Wie Sie internationale Fachkräfte je nach Herkunftsland und Qualifikationsniveau für sich gewinnen können, erfahren Sie hier.

Fachkräfte aus Europa und Drittstaaten

In den europäischen Nachbarstaaten gibt es viele gut ausgebildete Fachkräfte, die ‑ vor allem in den aktuell von hoher (Jugend-)Arbeitslosigkeit betroffenen Ländern wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland ‑ gerade nach einer Anstellung suchen. Angeworben werden u.a. Ingenieurinnen und Ingenieure, IT-Spezialistinnen und –Spezialisten sowie Gesundheits- und Pflegefachkräfte.

Hinzu kommen beruflich ausgebildete Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern (sog. Drittstaaten). Die Bundesagentur für Arbeit hat hierzu in einer Positivliste jene nicht-akademischen Engpassberufe definiert, für die eine leichtere Zulassung zum deutschen Arbeitsmarkt gilt. Darunter sind vor allem technische Berufe wie Mechatroniker und Automatisierungstechniker, aber auch Triebfahrzeugführer im Eisenbahnverkehr, operationstechnische Assistenten oder Gesundheits- und Krankenpfleger  Außerdem wirbt die Arbeitsagentur gemeinsam mit dem BMAS bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Europa dafür, ihre Ausbildung in Deutschland zu absolvieren. Ebenso das Willkommensportal "Make it in Germany" für internationale Fachkräfte.

Internationale Studierende in Deutschland

Neben der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland empfiehlt es sich, auch auf das Potenzial ausländischer Absolventinnen und Absolventen, die in Deutschland einen Hochschulabschluss erworben haben, zu setzen. Deren Plus: Neben ihrer fachlichen Qualifikation kennen sie bereits Kultur und Sprache. Derzeit kommen rund 282.000 Studentinnen und Studenten in Deutschland – das sind 11 Prozent aller Studierenden ‑ aus dem Ausland  Dabei stammt fast jede bzw. jeder zweite Studierende aus Europa. Bei den Herkunftsländern steht nach wie vor China unangefochten an der Spitze, es folgen Russland, Österreich, Indien, Bulgarien und die Türkei. Im Verhältnis zur Bevölkerung studieren die meisten Ausländerinnen und Ausländer in Berlin, im Saarland und in Bremen. Zahlenmäßig aber führen Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern die Liste an. .

Die bei den Bildungsausländern mit Abstand bevorzugte Studienrichtung sind die Ingenieurwissenschaften. Erst mit Abstand folgen Mathematik und Naturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprach- und Kulturwissenschaften (DAAD: Wissenschaft weltoffen 2014).


Auch Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger dürfen nach ihrem Hochschulabschluss in Deutschland eine Arbeit aufnehmen, die ihrer Ausbildung entspricht. Nach dem Abschluss haben sie 18 Monate Zeit eine ihren Qualifikationen angemessene Arbeit zu finden. Währenddessen darf jeder Form der Erwerbstätigkeit nachgegangen werden. Dadurch hat die Bundesregierung, zusammen mit der Einführung der "Blauen Karte EU" für diesen Personenkreis zum 1. August 2012 Regelungen erlassen, die die Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland erleichtern.


Im Ausland lebende Deutsche

Oft vernachlässigt wird auch die Gruppe der gut qualifizierten Deutschen, die im Ausland leben und arbeiten, die aber (zurück-)gewonnen werden können. Dabei handelt es sich vielfach um in Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte. Zwar erlebte Deutschland 2013 die höchste Zuwanderungsrate seit 20 Jahren: 1,226 Millionen Zuzügen standen 789.000 Fortzüge gegenüber – ein Wanderungsplus von 437.000 Menschen. Dennoch sind im gleichen Zeitraum mehr Deutsche ab- als zugewandert. Insgesamt betrug das Saldo 22.000 Menschen. Das gilt vor allem für die 30- bis 35-Jährigen – junge Menschen mit qualifizierter Ausbildung und aktueller Berufserfahrung. Die beliebtesten Auswanderungsländer waren die Schweiz, Österreich, USA, Türkei und Großbritannien (Statistisches Bundesamt 2014).

Da die meisten Zielländer hohe Einwanderungshürden und Lebenshaltungskosten aufweisen, ist davon auszugehen, dass es sich bei den  abwandernden Menschen vor allem um hoch qualifizierte und wirtschaftlich leistungsstarke Personen handelt. So kehrten allein im Jahr 2013 rund 3.000 in Deutschland tätige Ärztinnen und Ärzte Deutschland den Rücken, fast 800 davon Richtung Schweiz. (Bundesärztekammer 2014).

Die Motive für eine Abwanderung liegen oft in besseren Karriereaussichten oder höherer Bezahlung.

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